Es gibt Begriffe die mehr transportieren als ihre Definition. Haunebu ist einer davon.
Offiziell existiert es nicht. Keine Akten, keine verifizierten Baupläne, keine Zeitzeugen die einer Überprüfung standhalten. Und trotzdem ist „Haunebu“ seit Jahrzehnten eines der hartnäckigsten Konzepte in der Welt der alternativen Geschichte – ein Name der Flugscheiben, Wunderwaffen, Raumfahrt und das Ende des Zweiten Weltkriegs in einer einzigen Vorstellung vereint.
Was steckt hinter dem Begriff? Was behauptet der Mythos – und was davon lässt sich zumindest anfassen?
Was Haunebu bedeutet – und woher der Name kommt

Haunebu bezeichnet in der Überlieferung ein geheimes deutsches Entwicklungsprogramm für scheibenförmige Luft- und Raumfahrzeuge, die sogenannten Reichsflugscheiben. Der Name selbst leitet sich vom „Hauneburg-Gerät“ ab – einer Bezeichnung die in nicht verifizierten Dokumenten auftaucht und als Ursprungsbezeichnung des ersten Modells gilt.
Die Verbindung zum Begriff ist nicht eindeutig historisch – er taucht in seiner heutigen Verwendung erstmals in Publikationen der frühen 1990er Jahre auf, geprägt von Gruppen die sich mit esoterischer Technikgeschichte beschäftigten. Das macht den Namen nicht weniger verankert: Heute ist „Haunebu“ der gängigste Begriff für das gesamte Spektrum der spekulativen deutschen Flugscheibentechnologie.
Eine Übersicht der verwandten Begriffe die für die gleiche oder ähnliche Konzepte verwendet werden:
RFZ – Rundflugzeuge, der technischere Begriff für die scheibenförmigen Flugkörper. Reichsflugscheiben – die populärste Alternativbezeichnung, historisch gefärbt. Hauneburg-Gerät – der angebliche Ursprungsname des ersten Prototyps. Nurflügler – technisch verwandt, bezeichnet Flugzeuge ohne klassischen Rumpf; der Begriff umfasst auch historisch belegte deutsche Entwicklungen. Andromeda-Gerät – in der Überlieferung kein Flugscheiben-Typ, sondern ein zigarrenförmiges Raumfahrzeug mit enormer Reichweite. Vril – bezeichnet eigentlich den Antriebstyp, nicht das Fahrzeug selbst; wird aber oft synonym verwendet. V7 oder Vergeltungswaffe 7 – eine weitere Bezeichnung aus dem Mythos-Komplex. Wunderwaffe – der übergeordnete Begriff für alle deutschen Geheimtechnologien des Zweiten Weltkriegs.
Die Begriffe werden oft unkritisch durcheinandergeworfen. Das Andromeda-Gerät zum Beispiel ist in der Überlieferung kein Haunebu-Typ sondern ein eigenständiges Konzept – größer, anders geformt, für andere Zwecke gedacht. Das Vril-Fahrzeug wiederum bezeichnet einen spezifischen Antriebstyp der sich vom Haunebu-Tachyonator-System unterscheiden soll.
Die behauptete Technik – und ihr realer Schatten
Hier wird es interessant – weil sich Geschichte und Mythos auf eine Art vermischen die nicht einfach zu trennen ist.
Haunebu-Flugscheiben sollen mit einem antigravitativem Antriebssystem betrieben worden sein, dem Thule Tachyonator, einer bipolaren Magnetscheibe die elektromagnetische Kraft in Bewegung umwandelt. Kein offizieller Beleg, keine überprüfbaren Konstruktionsdaten.
Was historisch belegt ist: Das Deutsche Reich entwickelte im Zweiten Weltkrieg Flugzeugkonzepte die weit außerhalb des damaligen Mainstreams lagen. Der Nurflügler Horten Ho IX – ein düsenangetriebenes Flugzeug ohne klassischen Rumpf, entwickelt von den Gebrüdern Horten – war technisch seiner Zeit voraus. Die amerikanischen Streitkräfte sicherten nach Kriegsende Prototypen und Konstrukteure.
Der Einfluss auf spätere amerikanische Entwicklungen ist dokumentiert: Der B-2 Spirit Tarnkappenbomber und der F-117 Nighthawk tragen beide Merkmale die auf Nurflügler-Konzepte zurückgehen. Ob das eine direkte Linie zur spekulativen Haunebu-Technik darstellt oder schlicht die Übernahme dokumentierter deutscher Aviatik-Forschung ist – diese Frage bleibt offen und ist damit der fruchtbare Boden auf dem der Mythos wächst.
Auch der Avro Canada VZ-9AV „Avrocar“ gehört in diesen Kontext – ein tatsächlich gebauter, tatsächlich gescheiterter kanadischer Versuch ein untertassenförmiges Fluggerät zu bauen. Der Prototyp blieb bodengebunden, das Projekt wurde eingestellt. Aber er existierte. Er wurde gebaut. Und er sah so aus wie die Zeichnungen die dem Haunebu zugeschrieben werden.
Haunebu als Kulturphänomen
Irgendwann verlässt ein Mythos den Bereich der Glaubensfrage und wird zu etwas Eigenständigem. Haunebu hat diesen Punkt längst überschritten.
Um den Haunebu-Kern haben sich Erzählungen aufgebaut die weit über die Flugscheibe selbst hinausgehen: frühe Mondlandungen des Dritten Reichs, Basisstationen in der Antarktis unter dem Namen Neuschwabenland, Verbindungen zur Hohle-Erde-Theorie und zu Agartha, Kontakte zu außerirdischen Zivilisationen über mediale Kanäle. Jedes dieser Elemente ist ein eigenständiger Mythos der mit Haunebu verknüpft wurde – nicht weil es Belege gibt, sondern weil die innere Logik der Erzählung es nahelegt.
Für eine große Gemeinschaft von Haunebu-Interessierten ist das kein Problem. Die Faszination liegt nicht im Beweis – sie liegt in der Möglichkeit. In der Vorstellung dass eine Gruppe von Ingenieuren und Forschern, unter Extrembedingungen, etwas gebaut haben könnte das die Physikbücher neu geschrieben hätte.
Dieses Archiv macht keinen Unterschied zwischen belegter Geschichte und spekulativer Überlieferung. Beide gehören zur Geschichte von Haunebu – und beide verdienen es, ernst genommen zu werden.
Wer tiefer in die Antriebstechnologie einsteigen will: Der Thule Tachyonator und die Jenseitsflugmaschine sind die zwei Schlüsselartikel zum Verständnis der behaupteten Haunebu-Physik. Und wer das Motiv nicht nur lesen, sondern tragen will – die Haunebu-Kollektion bei Projekt Nordmark existiert seit 2008 als das Original im deutschsprachigen Raum.
FAQ
Was bedeutet Haunebu? Haunebu bezeichnet in der Überlieferung ein geheimes deutsches Entwicklungsprogramm für scheibenförmige Flug- und Raumfahrzeuge, die sogenannten Reichsflugscheiben. Der Name leitet sich vom „Hauneburg-Gerät“ ab. Historisch verifiziert ist der Begriff nicht – er taucht in seiner heutigen Form erstmals in Publikationen der frühen 1990er Jahre auf.
Was ist der Unterschied zwischen Haunebu und Reichsflugscheibe? Reichsflugscheibe ist der übergeordnete Begriff für alle scheibenförmigen Flugkörper aus dem Deutschen Reich der Mythos-Überlieferung. Haunebu bezeichnet eine spezifische Serie innerhalb dieser Kategorie – die Modelle I bis IV mit unterschiedlichen Größen und Eigenschaften. Andere Typen wie das Vril-Fahrzeug oder das Andromeda-Gerät sind eigenständige Konzepte.
Gibt es echte Verbindungen zwischen Haunebu und moderner Luftfahrt? Die direkten deutschen Einflüsse auf die amerikanische Nachkriegsluftfahrt sind historisch belegt – insbesondere über die Nurflügler-Forschung der Gebrüder Horten. B-2 Spirit und F-117 Nighthawk tragen diese Einflüsse. Ob das eine Verbindung zur spekulativen Haunebu-Technik darstellt, ist nicht belegbar – aber auch nicht ausschließbar.
Was ist das Andromeda-Gerät? In der Haunebu-Überlieferung kein Flugscheiben-Typ sondern ein zigarrenförmiges Raumfahrzeug mit enormer Kapazität für interplanetare Distanzen. Konzeptuell eigenständig, wird aber oft fälschlicherweise als Haunebu-Variante bezeichnet.
Was ist Neuschwabenland? Ein reales deutsches Antarktisgebiet das 1938/39 kartographiert wurde. In der Mythos-Überlieferung der Standort von „Base 211“ – einem angeblichen geheimen Nachkriegsversteck des Dritten Reichs mit Haunebu-Flotte. Die Kartographierung ist historisch belegt, die Basis nicht.
Alle spezifischen Haunebu-Angaben entstammen der nicht verifizierbaren Überlieferungsliteratur und sind als Mythos-Kontext zu verstehen. Historische Angaben zu Nurflüglern und Nachkriegsentwicklungen sind über gängige Quellen nachvollziehbar.
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