Das Haunebu-Projekt: Mythos oder Wahrheit?

Stell dir vor, du findest ein Dokument. Gestempelt, datiert, mit technischen Zeichnungen die nach etwas aussehen das nicht in die Zeit passt. Eine kreisförmige Maschine, Durchmesser über zwanzig Meter, Antrieb über elektromagnetische Rotation. Darunter ein Kürzel: Hauneburg-Gerät. Haunebu I.

Das Dokument ist nicht verifizierbar. Möglicherweise eine Fälschung. Möglicherweise nicht.

Genau hier beginnt die Faszination – und genau hier trennen sich die Wege.


Ein Name, der aus dem Nichts kam

Haunebu taucht nicht in Kriegsarchiven auf. Kein Eintrag im Bundesarchiv, keine Erwähnung in alliierten Nachkriegsverhören, kein Name auf einer Rüstungsliste. Der Begriff selbst geht auf Publikationen einer österreichischen Gruppe aus den frühen 1990er Jahren zurück – die sogenannte Tempelhofgesellschaft, deren Texte den Grundstein für das legten, was heute als Haunebu-Mythos kursiert.

Das klingt nach Entlarvung. Ist es aber nicht ganz so einfach.

Denn die Frage ist nicht nur, ob Haunebu existiert hat. Die interessantere Frage ist: Warum hat diese Idee eine derart hartnäckige Überzeugungskraft – über Jahrzehnte, über Kulturgrenzen hinweg, bis heute?

Haunebu über Augsburg - Fotomanipulation, Netzfund
Foto Manipulation – angeblich bei Augsburg

Was der Mythos behauptet – und was ihn trägt

Die Geschichte ist in groben Zügen bekannt: Im Dritten Reich soll ein geheimes Forschungsprogramm existiert haben, das Flugscheiben mit antigravitativem Antrieb entwickelte. Drei Modelle – Haunebu I, II und III – sollen in unterschiedlichen Größen gebaut und getestet worden sein. Der Antrieb basierte angeblich auf dem Prinzip des Thule-Tachyonators, einer Weiterentwicklung von Viktor Schaubergers Arbeiten zur Wirbelströmung. Nach Kriegsende soll das Projekt – so die Erzählung – in die Antarktis verlagert worden sein. Base 211. Neuschwabenland. Das ewige Eis als letzter Rückzugsort.

Kein Foto dieser Maschinen hält einer forensischen Prüfung stand. Die kursierende Bilderwelt – grobe Schwarzweißaufnahmen, technische Skizzen im Retrodesign – lässt sich zu einem erheblichen Teil auf Grafiken zurückverfolgen die in den 1980er Jahren produziert wurden.

Und trotzdem: Die Ästhetik funktioniert. Das Bild der Flugscheibe über einem nächtlichen Gelände, das Emblem der Schutzeinheit, die Vorstellung einer Technologie die aus dem Rahmen fällt – das hat eine visuelle und emotionale Wucht die sich nicht einfach wegdebunken lässt.

Das ist kein Fehler im Denken der Faszinierten. Das ist das Wesen des Mythos.


Vom Geheimprojekt zur Kulturikone

Irgendwann verlässt ein Mythos den Bereich des Glaubens oder Nichtglaubens und wird zu etwas eigenständigem. Haunebu hat diesen Schritt längst gemacht.

Der Film Iron Sky (2012) hat die Idee in einen grellen, selbstironischen Rahmen gesetzt – Nazis auf dem Mond, Reichsflugscheiben als Invasionsflotte, die ganze absurde Logik auf die Spitze getrieben. Was wie Parodie wirkt, hat paradoxerweise die Faszination für das Ursprungsmaterial weiter befeuert. Wer Iron Sky sieht, googelt danach Haunebu.

In der Modellbauindustrie hat Revell 2018 einen Bausatz der Haunebu II herausgebracht – mit einer Produktbeschreibung die das Modell als historisch authentisch darstellte. Der Shitstorm war vorprogrammiert, das Modell wurde eingestellt. Aber die Tatsache dass ein Großkonzern der Spielzeugbranche diesen Schritt gewagt hat, sagt einiges darüber aus wie tief der Mythos im popkulturellen Gedächtnis verankert ist.

Videospiele, Comics, Dokuformate, alternative Geschichtsromane – die Haunebu ist längst Teil eines eigenständigen Erzähluniversums, das sich vom historischen Ursprung emanzipiert hat.


Faszination ohne Auflösung

Haunebu ist kein Rätsel das auf seine Lösung wartet. Es ist ein Rätsel das von seiner Offenheit lebt.

Die Dokumente fehlen. Die Fotos halten nicht stand. Die Zeugen schweigen oder existieren nicht. Und gleichzeitig bleibt die Vorstellung bestehen: Was wäre, wenn eine kleine Gruppe von Ingenieuren in den letzten Kriegsjahren, unter absolutem Geheimhaltungsgebot, etwas gebaut hätte das die Physikbücher neu schreiben würde?

Diese Frage lässt sich nicht falsifizieren. Das ist ihre Stärke – und ihr Geheimnis.

Wer sich für den VRIL-Antrieb als theoretische Grundlage interessiert, oder für die Funktionsweise des Haunebu-Antriebs im Detail, findet auf diesem Archiv weitere Einträge die einzelne Aspekte vertiefen.

Und wer nicht nur lesen, sondern tragen will: Die Haunebu-Kollektion bei Projekt Nordmark existiert seit 2008 – das erste Haunebu-Motiv im deutschen Merch-Raum, bis heute unersetzt.


FAQ

Was bedeutet der Name „Haunebu“? Der Name leitet sich vom sogenannten „Hauneburg-Gerät“ ab und tauchte erstmals in Publikationen der österreichischen Tempelhofgesellschaft in den frühen 1990er Jahren auf. In historischen Kriegsdokumenten ist der Begriff nicht nachweisbar.

Gab es tatsächlich eine Haunebu-Flugscheibe? Es gibt keine verifizierten historischen Belege – keine Archivdokumente, keine glaubwürdigen Zeugenbefragungen, keine Fotos die einer forensischen Prüfung standhalten. Was existiert, ist ein dichtes Geflecht aus Spekulation, nachträglich produziertem Bildmaterial und echter Faszination für die Idee.

Was ist der Zusammenhang zwischen Haunebu und VRIL? In der Mythologie um die Reichsflugscheiben gilt VRIL als die Antriebsenergie der Haunebu – eine Art kosmische Urkraft die von der sogenannten Vril-Gesellschaft erforscht worden sein soll. Historisch ist auch diese Gesellschaft nicht belegbar. Der Begriff VRIL selbst stammt aus einem viktorianischen Science-Fiction-Roman von 1871.

Was ist Base 211 und Neuschwabenland? Neuschwabenland ist ein reales deutsches Antarktisgebiet das 1938/39 kartographiert wurde. Base 211 ist die spekulative Weitererzählung – ein angebliches geheimes Nachkriegsversteck des Dritten Reichs inklusive Haunebu-Flotte. Historisch belegt ist das Gebiet, nicht die Basis.

Warum fasziniert Haunebu bis heute so viele Menschen? Weil es die richtige Mischung aus historischem Kontext, technologischem Versprechen und unauflösbarem Geheimnis bietet. Ein Rätsel das keine Antwort kennt, bleibt offen – und offene Rätsel halten die Vorstellungskraft in Bewegung.


Quellen: Wikipedia – Reichsflugscheibe Alle historischen Einordnungen basieren auf dem aktuellen Stand der öffentlich zugänglichen Forschung. Spekulative Inhalte sind als solche gekennzeichnet.

Christoph – Haunebu Kommandant, Gründer von Projekt Nordmark

Christoph · Haunebu Kommandant

Gründer von Projekt Nordmark und Haunebu Kommandant des 1.HGPN. Seit 2008 entstehen unter seinem Namen Motive, Texte und Musik rund um Haunebu, VRIL und nordische Mythologie – unpolitisch, aus echter Faszination, mit eigenem Universum.

Über das Archiv →

GE32 – Kostenloser Online Roman

Wer die Themen dieses Archivs kennt, wird im GE32 Universum eine vertraute Welt finden. Auf ge32.de entsteht mit Sirius B ein serieller Roman der Haunebu, VRIL und alternative Realitäten als lebendigen Kanon erzählt — irgendwo zwischen Military Fiction, nordischer Mythologie und klassischer Space Opera.

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